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Die Krankheit GIST verstehen

19.08.2008

GIST sind bösartige Geschwülste, die unbehandelt oft tödlich verlaufen. Moderne Therapien können die Krankheit jedoch mittlerweile behandeln und die Lebensprognosen drastisch verlängern.

Gastrointestinale Stromatumoren (GIST) gehören zu speziellen Krebserkrankungen, den Sarkomen. Durch Veränderungen im Erbgut der GIST-auslösenden Zellen, kommt es zu einer unkontrollierten Gewebevermehrung, die den Körper schädigt und unbehandelt zumeist tödlich verläuft. Moderne Therapieverfahren ermöglichen es jedoch, die Lebensprognosen erheblich zu verbessern und so ein Leben trotz GIST zu ermöglichen.

 

Häufigkeit

Gastrointestinale Stromatumoren sind verhältnismäßig selten. Im deutschsprachigen Raum erkranken pro Jahr schätzungsweise zwischen 1.500 und 1.800 Menschen an dem Krebs (Deutschland: 850 bis 1250). Damit sind GIST rund 100-mal seltener als Brust- und Prostatakrebs. Betroffen sind überwiegend ältere Menschen.

 

Diagnose und Verlauf

GIST bereiten oft über lange Zeit keine oder nur geringe Beschwerden. Vielfach werden die Tumoren deshalb nur zufällig entdeckt, wenn aus anderem Grund eine ärztliche Untersuchung vorgenommen wird oder unerwartet eine Notfallsituation eintritt, etwa wenn es zu einer stärkeren Blutung aus der Krebsgeschwulst in den Darm oder die Bauchhöhle kommt. Oftmals sind die Krebsgeschwülste zu diesem Zeitpunkt bereits recht groß. Moderne Behandlungsverfahren können bei vielen Betroffenen die Lebensprognosen extrem verbessern. Unbehandelt führen GIST in der Regel innerhalb weniger Jahre zum Tode.

Der Verlauf von GIST wird durch spezielle Röntgenuntersuchungen überwacht. Sicher nachgewiesen werden kann die Erkrankung jedoch nur durch die Analyse von Proben aus dem Krebsgewebe.

 

Symptome

Etwa ein Drittel aller GIST-Patienten leidet aufgrund der Erkrankung an leichten, ein Drittel an starken Beschwerden. Ein Drittel weist zum Zeitpunkt der Diagnose keine Symptome auf. Die Beschwerden betreffen in der Regel den Bauchraum und die Verdauungsorgane oder gehen auf eine Blutarmut infolge wiederholter Blutungen aus dem Tumor zurück.

 

Behandlung

Die moderne Behandlung von GIST besteht zumeist in einer Kombination von Operation und anschließender  medikamentöser Behandlung (adjuvante Therapie) bei metastasierten Tumoren. Nur bei Tumoren, die noch keine Tochtergeschwülste (Metastasen) abgesiedelt haben, besteht eine Aussicht auf Heilung durch Operation. Hat der Tumor bereits gestreut, dient die Operation oft der Entlastung der Patienten und unterstützt die Behandlung mit Medikamenten wie Tyrosinkinasehemmer.

 

Was sind gastrointestinale Stromatumoren?

Bei gastrointestinalen Stromatumoren handelt es sich um Krebsgeschwülste, die in neun von zehn Fällen in der Wand von Magen oder Darm bzw. in der Bauchhöhle entstehen. GIST-Krebsgeschwülste gehören zu den so genannten Sarkomen, die einige grundlegende Unterschiede zu den erheblich häufigeren Karzinomen aufweisen, zu denen die meisten bekannten Krebserkrankungen wie z. B. Brust- oder Lungenkrebs gehören.

 

Was sind Sarkome?

Der Unterschied zwischen Sarkomen und Karzinomen geht auf eine sehr frühe Phase der Entwicklung des Embryos im Mutterleib zurück. In diesem Entwicklungsstadium können im Gewebe des Embryos drei Schichten von einander abgegrenzt werden. Sarkome gehen auf Gewebe zurück, die sich aus der mittleren Schicht bilden, während Karzinome aus den Deckschichten hervorgehen. Aus der mittleren Schicht gehen unter anderem die Stütz- und Bindegewebe des Körpers sowie die Muskulatur und die Blutgefäße hervor. Aus diesem Grund werden Sarkome manchmal auch als Weichgewebetumoren oder Weichgewebekrebs bezeichnet.

Bedeutsam ist die Unterscheidung von Karzinomen und Sarkomen für die Wahl des Behandlungsverfahrens. Die unterschiedliche Entstehungsgeschichte des jeweiligen Krebsgewebes führt dazu, dass Therapien, die gegen Karzinome wirken, bei Sarkomen oft nur wenig effektiv sind - und umgekehrt. Gastrointestinale Stromatumoren sprechen z. B. kaum auf herkömmliche Chemotherapie oder Bestrahlung an, die bei zahlreichen Karzinomen hervorragende Behandlungsergebnisse erzielen.

 

Aus welchen Zellen gehen GIST hervor?

GIST sind erst seit 1998 offiziell als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt. Zuvor wurden viele GIST-Erkrankungen verschiedenen anderen Krebsformen zugeordnet, weil keine klaren Unterscheidungsmerkmale bekannt waren. Nach heutigen Kenntnissen entstehen GIST aus den so genannten "Zellen von Cajal" oder deren Vorläuferzellen, die aufgrund ihrer Erscheinung leicht mit anderen Zelltypen verwechselt werden können. Die Zellen von Cajal haben im Körper die Aufgabe, die Bewegungen im Magen-Darm-Trakt, die so genannte Peristaltik, zu koordinieren, um die Verdauung und den Transport der Nahrung im Körper zu gewährleisten.

Bis heute ist die sichere Diagnose von GIST eine Aufgabe, die erfahrene Spezialisten erfordert.

 

Wie entstehen GIST in den Zellen von Cajal?

Die Ursache der Entstehung von GIST sind bestimmte Veränderungen (Mutationen) im Erbgut der Zellen. Nach heutigem Wissen hat die Mehrzahl aller GIST-Patienten die zur Krankheit führende Mutation nicht von den Eltern geerbt. Statt dessen sind es Mutationen, die aus bisher unbekannten Gründen im Verlauf des Lebens entstehen.

Die Erbgutveränderungen betreffen in fast allen Fällen von GIST einen von zwei verschiedenen Rezeptoren. Diese werden als KIT- (c-KIT) bzw. PDGF-Rezeptor bezeichnet. KIT ist in den meisten GIST-Fällen, PDGFR hingegen nur selten betroffen. Unter dem Einfluss eines Botenstoffs (in diesem Fall der so genannte Stammzellfaktor) aus der äußeren Umgebung der Zelle, regulieren die beiden Eiweiße normalerweise Prozesse, die zur Teilung und Vermehrung der Zelle führen. Dabei reagieren KIT und PDGFR mit der Substanz Tyrosin. Die beiden Eiweiße werden daher auch als so genannte Tyrosinkinasen bezeichnet.

Die GIST-auslösenden Erbgutveränderungen bewirken, dass KIT bzw. PDGFR dauerhaft aktiviert sind, also auch dann, wenn sich in der Umgebung der Zelle kein SCF befindet. Dadurch kommt es zu einer ungebremsten Vermehrung der betroffenen Zelle. Sie teilt und vermehrt sich, ohne auf Kontrollmechanismen zu reagieren. Ein Tumor wächst.

 

Tyrosinkinasehemmer: Zielgerichtete Therapie von GIST

GIST ist eine der ersten Krebserkrankungen, für die ein Medikament entwickelt werden konnte, das gezielt die krebsauslösende Störung des Zellstoffwechsels hemmt: die Tyrosinkinasehemmer. Derartige Behandlungsverfahren werden in Abgrenzung zu herkömmlichen Arzneimitteln oder zur klassischen Chemotherapie von Krebs, bei der starke Zellgifte eingesetzt werden, als zielgerichtete oder zieloptimierte Therapie bezeichnet. Da durch den Wirkstoff nur die Fehlregulation der Krebszellen behoben wird, weisen zielgerichtete Therapien in der Regel trotz höchster Wirksamkeit im Vergleich zu Chemotherapien wenig Nebenwirkungen auf. So ist es GIST-Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung möglich, ein Leben mit GIST führen zu können.

Quellen:
ESMO European Society for Medical Oncology: Soft tissue sarcomas: ESMO Clinical Recommendations for diagnosis, treatment and follow-up. Annals of Oncology 2007; 18 (Supplement 2): ii74 - ii76
Gold JS, DeMatteo RP: Combined Surgical and Molecular Therapy. The Gastrointestinal Stromal Tumor Model. Ann Surg 2006; 244: 176 ´- 184
Joensuu H: Gastrointestinal stromal tumor (GIST). Annals of Oncology 2006; 17 (Supplement 10): x280 - x286
NCCN Clinical Practice Guidelines in Oncology: Soft Tissue Sarcoma. V.3.2007, http://www.nccn.org/professionals/physician_gls/PDF/sarcoma.pdf
Wartenberg M, Reichardt P: Patientenratgeber GIST. Gastrointestinale Stromatumoren. Das Lebenshaus 2007. Ausgabe aus dem Jahr 2005 herunterladbar unter: http://www.daslebenshaus.org/media.php?mv_id=1025516202
Fachzeitschrift Annals of Oncology, "Das Lebenshaus e. V." u.a.
Stand: 19-08-2008
Autor: Jan Groh
Dies ist ein Service von Novartis Oncology
Für Fachkreise

Pathogenese von GIST

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