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Roter Faden 2: Therapie bei fortgeschrittenem GIST
Dieser Artikel ist Teil des Roten Fadens Roter Faden 2: Therapie bei fortgeschrittenem GIST

Progress bei GIST – welche Möglichkeiten gibt es, wenn die Krankheit fortschreitet

Kommt es unter einer Therapie mit Tyrosinkinasehemmern zu einem erneuten Wachstum des GIST, sollte als erster Schritt die Dosis der bestehenden Therapie erhöht werden, um ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

Progress bei GIST – welche Möglichkeiten gibt es, wenn die Krankheit fortschreitet Wenn ein gastrointestinaler Stromatumor (GIST) nicht oder nur teilweise entfernt werden kann, oder sich bereits Absiedlungen (Metastasen) gebildet haben, hat sich die Therapie mit Tyrosinkinasehemmern bewährt. Durch diese Medikamente kann bei 80–90 % der Patienten die Krankheit über lange Zeit aufgehalten und in vielen Fällen eine Verkleinerung des Tumors erreicht werden.[3] Es kann jedoch sein, dass der Tumor trotz bisher erfolgreicher Therapie weiter wächst und die medikamentöse Therapie angepasst werden muss. Der erste Schritt ist dann die Erhöhung der Medikamentendosis. Bevor Ihr Arzt jedoch Maßnahmen ergreift, wird er erst einmal sorgfältig abklären, ob es sich in Ihrem Fall tatsächlich um einen Progress der Erkrankung handelt.

 

Therapieansprechen oder Progress?

In den ersten Jahren, in denen GIST-Patienten mit Tyrosinkinasehemmern behandelt wurden, führte das Phänomen der "Pseudoprogression" zu zahlreichen unnötigen Therapieabbrüchen. Bei der Pseudoprogression handelt es sich um eine Umwandlung von abgetötetem Tumorgewebe in eine Zyste (zystischer Umbau). Als Zyste wird eine flüssigkeitsgefüllte Gewebekapsel bezeichnet, die sich z. B. innerhalb einer Ansammlung von abgestorbenen (Tumor-)Zellen bildet. Eine Zyste bei GIST kann unter Umständen größer sein als der ursprüngliche Tumor und daher fälschlicherweise als Progress interpretiert werden, obwohl es sich eigentlich um ein Therapieansprechen handelt. Neben dem zystischen Gewebe kann allerdings weiterhin aktives Tumorgewebe vorliegen.

Heutzutage ist bekannt, dass die Dichte des Gewebes neben der Größe des Tumors das entscheidende Kriterium ist, um Zystengewebe von Tumorgewebe eindeutig zu unterscheiden. Bei einem Therapieansprechen nimmt die Dichte des Gewebes ab. Der Radiologe kann die Dichte und die Tumorgröße anhand einer Computertomographie (CT)-Aufnahme bestimmen. Somit ist die computertomographische Aufnahme die geeignete Methode, um einen Progress festzustellen.

Da GIST nach wie vor eine seltene Erkrankung ist, sollte die Diagnose „Progress” möglichst in einem Zentrum für GIST gestellt bzw. bestätigt werden. In einem solchen Zentrum arbeiten verschiedene Fachärzte aus z. B. Radiologie, Innerer Medizin und Onkologie interdisziplinär zusammen und Sie als Patient können von deren Erfahrung profitieren.

 

Dosiserhöhung ist der erste Schritt bei Progress

Wird ein Progress festgestellt, empfiehlt die Europäische Gesellschaft der Onkologen (ESMO-Guidelines 2010 [2]) zunächst eine Dosiserhöhung. Studien zeigen, dass 30 % der Patienten von einer Dosiserhöhung der Standardmedikation profitieren und fast 20 % auch nach einem Jahr noch progressionsfrei sind.
Um Nebenwirkungen bei einer geplanten Dosisanpassung gering zu halten, sprechen Sie Ihren behandelnden Arzt auf Beschwerden an, die bei Ihnen eventuell schon bei der ursprünglichen Dosierung aufgetreten sind. Er kann gemeinsam mit Ihnen Möglichkeiten finden, eine Verschlimmerung zu vermeiden oder bestehende Beschwerden zu lindern. Gegebenenfalls kann es auch sinnvoll sein, die Dosis erst nach und nach über einen längeren Zeitraum zu erhöhen.

 

Optionen bei weiterem Progress

Schreitet das Tumorwachstum auch unter der erhöhten Tyrosinkinasehemmerdosis fort, gibt es die Möglichkeit, auf eine Therapie mit einem alternativen Tyrosinkinasehemmer umzustellen. Dies wird als „Zweitlinien-Therapie” bezeichnet.

Sollte es unter der Zweitlinien-Therapie zu einem weiteren Progress kommen, besteht die Möglichkeit des Einschlusses in eine klinische Studie, in der neue Substanzen zur Behandlung von GIST einzeln eingesetzt oder mit Tyrosinkinasehemmern kombiniert werden.

Quellen:
[1] Wartenberg M, Reichardt P. Patientenratgeber GIST (Gastrointestinale Stromatumoren), Das Lebenshaus, Selbsthilfe GIST, 2007 (2. Auflage)
[2] Casali PG et al. Gastrointestinal stromal tumours: ESMO Clinical Practice Guidelines for diagnosis, treatment and follow-up. Ann Oncol 2010; 21(Suppl 5): v98–v102
[3] Demetri GD, von Mehren M, Blanke CD et al.: Efficacy and safety of imatinib mesylate in advanced gastrointestinal stromal tumors N Engl J Med 2002; 347: 472-480.

Erstellt am: 17.05.2010
Autor: Michaela Spaeth-Dierl
Roter Faden 2: Therapie bei fortgeschrittenem GIST
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Dies ist ein Service von Novartis Oncology
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