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Medikamentöse Therapie beim fortgeschrittenen GIST

Ist ein GIST bei der Diagnose nicht mehr operabel, wird der Tumor mit Tyrosinkinasehemmern behandelt. Diese Medikamente können oft über lange Zeit einen Wachstumsstillstand des Tumors bewirken.

Medikamentöse Therapie beim fortgeschrittenen GISTWird ein gastrointestinaler Stromatumor (GIST) diagnostiziert, ist es das oberste Ziel der Behandlung, den Tumor vollständig zu entfernen und den Patienten dadurch zu heilen. In manchen Fällen ist der Tumor aber bereits weit fortgeschritten und hat unter Umständen schon Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen gebildet. Eine Operation ist dann nicht mehr möglich, ohne lebensnotwendige Organe und Gewebe zu zerstören.

Da GIST unempfindlich gegen Strahlen sind und auf Chemotherapeutika nicht ansprechen, kommen in diesem Fall Behandlungsalternativen wie Chemotherapie oder Bestrahlung nicht in Frage, die bei anderen Krebserkrankungen eingesetzt werden können.

 

Gezielte Therapie mit Tyrosinkinasehemmern bei fortgeschrittenem GIST

Die Zulassung von Tyrosinkinasehemmern hat die Behandlung von fortgeschrittenen GIST gravierend verändert. Während zuvor die Prognose in diesem Stadium der Erkrankung mit einer mittleren Überlebenszeit von ca. einem Jahr sehr ungünstig war, kann die Erkrankung heute durch den Einsatz von Tyrosinkinasehemmern oft über viele Jahre zum Stillstand gebracht werden.
Im Vergleich zur Chemo- oder Strahlentherapie, bei denen neben den Krebszellen auch gesunde Körperzellen geschädigt werden, zeigen die Tyrosinkinasehemmer außerdem bedeutend weniger Nebenwirkungen, da sie zielgerichtet in den Stoffwechsel der Krebszelle eingreifen (targeted therapy).

 

Hohe Wirksamkeit von Tyrosinkinasehemmern

Unter der Behandlung mit Tyrosinkinasehemmern überleben nach 2 Jahren ca. drei bis viermal so viele Patienten wie ohne die Behandlung. In nahezu 80 % der Fälle kann ein Wachstumsstillstand des Tumors erreicht werden. In mehr als 50 % der Fälle kommt es sogar zu einer Verkleinerung des Tumors.

 

Veränderungen im Erbgut führen zu unkontrollierter Zellteilung

Bei der Entstehung von GIST führen Veränderungen im Erbgut (Mutationen) zu Strukturänderungen innerhalb von Körperzellen. Diese Strukturänderungen führen dazu, dass die Zellen sich ungehindert teilen können. Die am häufigsten betroffene Zellstruktur ist der so genannte c-KIT-Rezeptor, eine Art „Antenne", die Signale für die Zellteilung empfängt. Tyrosinkinasehemmer können diese Signalübertragung und damit die unkontrollierte Teilung der Krebszelle unterbinden.

 

Mit einer Mutationsanalyse lässt sich die Therapie individuell planen

Den Strukturänderungen am c-KIT-Rezeptor können Mutationen in unterschiedlichen Bereichen der Erbsubstanz zugrunde liegen. Studien haben gezeigt, dass sich anhand des Bereichs, in dem die Mutation stattgefunden hat, Vorhersagen darüber treffen lassen, wie gut der Patient auf die Therapie mit Tyrosinkinasehemmern ansprechen wird. Beispielsweise benötigen Patienten mit einer bestimmten Mutation (Exon 9) von Anfang an eine höhere Dosis an Tyrosinkinasehemmern als Patienten, bei denen die Mutation in einem anderen Bereich der Erbsubstanz liegt. Die Europäische Gesellschaft der Onkologen (ESMO) Guidelines empfehlen deshalb bei Diagnosestellung eine Mutationsanalyse, um den Patienten die individuell beste Therapie zukommen zu lassen.

 

Wenn die Krankheit trotz Therapie fortschreitet

Kommt es unter Behandlung zu einem Fortschreiten der Erkrankung (Progress), sollte zunächst abgeklärt werden, ob es sich tatsächlich um einen Progress handelt, oder ob es im Sinne eines Therapieansprechens zu Veränderungen im Tumorgewebe gekommen ist (siehe dazu auch den Artikel Progress bei GIST).

Beim Fortschreiten der Erkrankung empfiehlt die ESMO in ihren Guidelines zunächst eine Dosiserhöhung. Infolgedessen kommt es bei einem Drittel der Patienten wieder zu einem Wachstumsstillstand des Tumors. Schreitet die Erkrankung dennoch fort, besteht die Möglichkeit, im Sinne einer so genannten Zweitlinientherapie auf einen anderen Tyrosinkinasehemmer umzustellen. Eine weitere Option ist die Teilnahme an klinischen Studien, in denen neuartige Therapieverfahren oder Medikamente unter Studienbedingungen eingesetzt werden.

 

Regelmäßige Nachsorge ist wichtig

Ein essenzieller Bestandteil der Behandlung von fortgeschrittenen GIST ist die regelmäßige Überprüfung des Therapieansprechens. Es wird empfohlen, anfangs alle drei Monate eine Computertomographie (CT) durchzuführen. Bei erfolgreicher Therapie kann der Abstand zwischen den Untersuchungen nach einiger Zeit verlängert werden.

Quellen: Homepage der Deutschen Krebsgesellschaft, Deutsches Ärzteblatt, gastrointestinale-stromtumoren.com, Das Lebenshaus: Patientenratgeber, Gastrointestinal stromal tumours: ESMO Clinical Practice Guidelines for diagnosis, treatment and follow-up.

Stand: 06.08.2010
Autor: Michaela Spaeth-Dierl
Dies ist ein Service von Novartis Oncology
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