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Ernährung nach einer Darmoperation bei GIST

01.10.2013

Essverhalten und Nahrungsmittelauswahl spielen eine wichtige Rolle, wenn Ihnen bei einer Operation Teile des Magen-Darm-Trakts entfernt werden mussten. Eine Ernährungsumstellung kann sich positiv auf Ihr Wohlbefinden auswirken.

Gastrointestinale Stromatumoren (GIST) können von der Speiseröhre bis zum Enddarm auftreten. Sie finden sich meist im Bereich des Magens (60 %) oder des Dünndarms (30 %), seltener im Zwölffingerdarm (5 %) sowie im Dick- und Mastdarm (weniger als 5 %) (siehe Abb. 1). In der Speiseröhre oder im Blinddarm kommen sie nur vereinzelt vor. [1]

Wenn ein Tumor entfernt wird, hält der Chirurg einen Sicherheitsabstand von einigen Zentimetern ein. Wie groß dieser Sicherheitsabstand jeweils ist, entscheidet er im Einzelfall. Es ist daher möglich, dass bei der Operation ein Darmabschnitt teilweise oder vollständig entfernt wird. [2] Je nachdem welcher Darmteil betroffen ist, sind unterschiedliche Veränderungen im Verdauungsablauf möglich.


In der Regel erklärt Ihnen ein Ernährungsberater oder Diätassistent, wie Sie Ihre Ernährung auf die neue Situation abstimmen können. Sie erhalten Hinweise zur Auswahl der geeigneten Nahrungsmittel und Tipps zum Essverhalten. Ihr behandelnder Arzt kann Sie beraten, falls Nebenwirkungen von Medikamenten auftreten. [3]

 

Abb. 1: Der Verdauungstrakt (Klicken Sie zur Vergrößerung auf das Bild)

 

Funktion der verschiedenen Darmabschnitte [3]

Der Darm (siehe Abb. 1) hat im Verdauungsprozess unterschiedliche Aufgaben.

Der Dünndarm besteht aus Zwölffingerdarm (Duodenum), Leerdarm (Jejunum) und Krummdarm (Ileum). Die ersten beiden zählen zum oberen Abschnitt des Dünndarms, der Krummdarm wird als unterer Abschnitt des Dünndarms bezeichnet. 


In jedem Dünndarmabschnitt werden bestimmte Nährstoffe aufgenommen und ins Blut geleitet. So sind dies im oberen Abschnitt des Dünndarms z. B. die wasserlöslichen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sowie Eiweißbausteine (Aminosäuren) und Wasser. Im unteren Dünndarmabschnitt werden fettlösliche Vitamine und Vitamin B12, Fette und Gallensäuren aufgenommen.



Die wesentliche Aufgabe des Dickdarms (Kolon) ist, Wasser und Kochsalz aus dem Darm aufzunehmen. Durch die Aufnahme des Wassers wird der Nahrungsbrei weiter eingedickt.



Der Mastdarm (Rektum) dient als Sammelstelle der unverdaulichen Nahrungsbestandteile (Stuhl).

 

Ernährung nach einer Operation am Dünndarm

Da die verschiedenen Abschnitte des Dünndarms unterschiedliche Aufgaben haben, können sich die Verdauungsabläufe nach einer Operation unterschiedlich verändern. Es spielt zudem eine Rolle, wie lang das entfernte Darmstück ist und welche Anteile des Darms entnommen wurden. Wenn beispielweise obere Abschnitte des Dünndarms verkürzt werden, bringt dies meist größere Umstellungen mit sich als nach einer Entfernung der unteren Dünndarmteile.

Ihre Verdauung kann in manchen Fällen auch funktionieren wie vor der Operation, da die verbleibenden Dünndarmanteile nach einer gewissen Zeit die Aufgaben der entfernten Abschnitte „erlernen" und übernehmen können.

 

Allgemeine Ernährungstipps bei Darmoperationen [4]

Essen Sie mehrere kleine Mahlzeiten (6-9 pro Tag). Bei kleinen Portionen wird die Darmtätigkeit nicht zu stark angeregt. Hierdurch können die Nahrungsbestandteile besser aufgenommen werden und es wird Durchfall vermieden.

Essen Sie langsam und kauen Sie gründlich. Durch gründliches Kauen wird die Durchmischung der Nahrung gefördert und somit die Aufnahme positiv beeinflusst. Bei Bedarf kann auch pürierte oder fein zerkleinerte Nahrung gegessen werden.

Verzichten Sie möglichst auf Kohl, Hülsenfrüchte, Zwiebel, Lauchgewächse, Pilze und unreifes Obst, denn diese verursachen häufig Blähungen.

Trinken Sie ausreichend. Dies ist insbesondere bei Durchfall wichtig, um den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen. Trinken Sie vorzugsweise kohlensäurearmes Mineralwasser, Kräuter und Früchtetee. Kaffee, Schwarz- und Pfefferminztee sollten Sie nur trinken, wenn Sie dies gut vertragen.

Notieren Sie in einem Ernährungstagebuch, was sie gut vertragen und was nicht. Sie können hierzu Datum und Uhrzeit aufschreiben sowie was und wie viel Sie gegessen haben. Wenn Sie zudem vermerken, wie Ihnen das Essen bekommen ist, erhalten Sie mit der Zeit einen guten Überblick, wie Sie sich am besten ernähren können.

 

Das Kurzdarmsyndrom

Der normale Dünndarm ist 3-5 Meter lang. Wenn mehr als ein Meter des Dünndarms entfernt wird, kann es zum so genannten Kurzdarmsyndrom kommen. [5] Die Symptome sind häufig Durchfall, eine eingeschränkte Fettverdauung (Fettstuhl) und eine Unterversorgung mit Nährstoffen, z. B. Mineralstoffen oder Vitamin B12.



Ein Vitamin B12-Mangel kann insbesondere auftreten, wenn der hintere Teil des Krummdarms entfernt wurde (medizinisch: terminales Ileum). Ist dies der Fall, wird Ihnen in der Regel Vitamin B12 verordnet.
Wenn dieser Darmabschnitt entfernt wird, kann der Dünndarm Gallensäuren nicht mehr optimal aufnehmen und verwerten (Gallensäureverlust-Syndrom). Als Folge davon gelangen die Gallensäuren in den Dickdarm und dies kann Durchfälle und Fettstühle zur Folge haben. Um diese Situation abzumildern, kann Ihnen Ihr Arzt Medikamente verordnen.

Besteht ein Kurzdarmsyndrom, so ist eine Ernährungstherapie sinnvoll, die Ihr Arzt oder Diätassistent bzw. Ernährungsberater individuell auf Ihre Situation abstimmen. Grundsätzlich ist eine kalorienreiche, leicht verdauliche und eiweißreiche Kost empfehlenswert. Bei ausgeprägten Fettstühlen kann es hilfreich sein, so genannte MCT-Fette (medium chain triglycerides) zu verwenden.

 

Unterstützung der Fettverdauung [4]
Fehlen Teile des Darms, so wird Fett unzureichend verdaut. Hierdurch kann es zu Durchfall mit fettigem Stuhl und einer ungewollten Gewichtsabnahme kommen. Ihr Arzt kann Ihnen Medikamente verordnen, die Ihre Fettverdauung unterstützen.



Zusätzlich können Sie so genannte MCT-Fette statt normaler Fette verwenden. MCT-Fette verfügen über mittelkettige Fettsäuren, die vom Darm rascher aufgenommen werden. Sie sollten nur leicht erhitzt bzw. erst nach der Zubereitung des Essens hinzugefügt werden.

Am besten beginnen Sie mit 10-20 g MCT-Margarine oder -Öl pro Tag. Steigern Sie die Menge langsam, da zu großen Mengen MCT-Fett anfangs Ihre Verdauung belasten können.


Um den Dünndarm zu entlasten, kann es vorteilhaft sein, wenn Sie Essen und Getränke getrennt zu sich nehmen. Auch mehrere kleine Mahlzeiten (6-9 pro Tag) können Ihre Darmfunktion unterstützen. In bestimmten Fällen kann es außerdem sinnvoll sein, keine Vollkornprodukte, Milchzucker (Laktose) und Oxalsäure (z. B. besonders hoher Gehalt in Rhabarber, Spinat, Mangold, Rote Beete, Bohnen, schwarzem Tee) zu sich zu nehmen. [4]

 

Ernährung nach einer Operation am Dickdarm

Eine der Hauptaufgaben des Dickdarms ist es, Wasser aus dem Nahrungsbrei aufzunehmen und dadurch den Stuhl einzudicken. Je nachdem wie lang der entfernte Darmabschnitt ist und um welchen Teil es sich handelt, können zu Beginn breiige bis dünnflüssige Stühle und häufiger Stuhlgang auftreten. Meist bessert sich diese Situation mit der Zeit.

 

Hilfreiche Maßnahmen gegen Durchfall nach einer Dickdarmoperation [4]

Zwischen den Mahlzeiten ausreichend trinken und sehr kalte und kohlensäurehaltige Getränke meiden.

Weizenkleie und Flohsamen essen; sie können aufgrund ihrer quellenden Wirkung helfen, den Stuhl einzudicken und zu formen.

Auf Milch und Milchprodukte verzichten sowie andere Lebensmittel, die Milchzucker (Laktose) enthalten.

Fettreiche Nahrung meiden bzw. MCT-Fett verwenden (siehe Kasten „Unterstützung der Fettverdauung").

Medikamente, die Nährstoffe ersetzen, zuverlässig nach Anweisung des Arztes einnehmen.

 

Ernährung bei künstlichem Darmausgang (Stoma)

Einigen Patienten wird bei der Operation ein künstlicher Darmausgang (Darmstoma) angelegt. Je nachdem, an welcher Stelle das Stoma gelegt wird, wird die Ernährung speziell auf diese Situation abgestimmt, damit der Darmausgang durchgängig bleibt, der Stuhl eine gute Konsistenz behält, keine unangenehmen Gerüche entstehen und Entzündungen vorgebeugt wird.

Vor allem wenn sich der künstliche Ausgang im Bereich des Dünndarms befindet, kann es zu Blockaden kommen. Deshalb sollten Sie auf bestimmte Nahrungsmittel, die einen Verschluss begünstigen können, verzichten. Hierzu zählen grobe Lebensmittel wie Müsli, Sonnenblumenkerne und andere Samen, ebenso ganze Nüsse und grobes Vollkornbrot. Blähende Lebensmittel (Hülsenfrüchte, rohes Obst, Kohl, Lauch, Zwiebeln etc.) sowie Kartoffel- oder Apfelschalen und faserige Lebensmittel (Zitrusfrüchte, Kohl, Pilze, faserige Fleisch etc.) sind ebenfalls weniger zuträglich.

Zu den Nahrungsmitteln, die eine Entzündung des Stomas fördern könnten, gehören vor allem saure Lebensmittel und Getränke (saures Obst, Sauerkraut, Zitrusfrüchte etc.) sowie scharfe Lebensmittel (Gewürze, Meerrettich, Knoblauch, Rettich etc.). Auch alkoholische Getränke können eine Entzündung des künstlichen Darmausgangs begünstigen. [4]

Die allgemeinen Ernährungstipps bei Darmoperationen treffen ebenso auf Patienten mit Stoma zu. Sprechen Sie auch mit Ihrem Arzt, was Sie gut essen können.

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Quellen: 

[1] Demetri GD et al. NCCN Task Force Report: Update on the Management of Patients with Gastrointestinal Stromal Tumors. J Natl Compr Canc Netw 2010;8 (Suppl 2):S1-41.)
[2] Deutsches Krebsforschungszentrum, Krebsinformationsdienst 
http://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/weitere-tumorarten/gist.php#inhalt2 (besucht am 16.04.2013))
[3] Felix Burda Stiftung darmkrebs.de http://www.darmkrebs.de/ueberblick/was-ist-darmkrebs/der-darm:-aufbau-funktion/funktion-des-darms/ besucht 16.04.2013)

[4] Deutsche Krebshilfe e. V., Die blauen Ratgeber, Nr. 46 „Ernährung bei Krebs“, 10/2008
[5] http://www.kurzdarmsyndrom-und-ernaehrung.de/mediziner/kurzdarmsyndrom.html (besucht am 16.04.2013)

Erstellt am: 28.08 2012
Aktualisiert am: 16.04.2013
Autor: Dr. Ruth Wissler, aktualisiert durch Dr. Ruth Wissler
Dies ist ein Service von Novartis Oncology
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