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Lebensqualität gehört auch zur Nachsorge

Gute Gedanken auf Vorrat – Lebensqualität bei Krebs

Wie gut oder schlecht die Lebensqualität ist, hängt stark davon ab, wie es Betroffenen gelingt, mit der Krankheit zurechtzukommen. Ein Weg kann dazu sein, sich selbst mit der Erkrankung besser kennenzulernen.

Gute Gedanken auf Vorrat – Lebensqualität bei KrebsEine gute Lebensqualität erleben Patienten meist dann, wenn es ihnen möglich ist, mit ihrer augenblicklichen Situation zufrieden zu sein. Das erfordert eventuell auch, dass sie körperliche Einschränkungen und Verluste hinnehmen, andererseits aber einen Blick für das behalten, was trotz ihrer Krebserkrankung möglich ist. [1]

 

Lebensqualität durch Selbstbeobachtung im Alltag

Fachleute verstehen unter Lebensqualität, wie zufrieden ein Mensch mit seinem Leben ist. Einige Aspekte sind für viele Menschen ähnlich wichtig. Dazu zählen z. B. das körperliche Wohlbefinden, seelische Stabilität, Selbstständigkeit im Alltag aber auch ein Sinn im Leben und anderes. [1] Darüber hinaus ist das Gefühl von guter Lebensqualität sehr individuell, und bei einer Krebserkrankung spielt natürlich auch die jeweilige Erkrankung und das Stadium eine Rolle.

Um Ihre subjektive Lebensqualität zu erhöhen - also zufriedener zu sein - ist es wichtig, dass Sie sich vor Augen führen, was trotz der Erkrankung möglich und schön ist. Ein gutes Gefühl gibt es, wenn Sie Erfolge und Fortschritte wahrnehmen können. Aber besonders auch „die kleinen Dinge" spielen eine wesentliche Rolle.

Voraussetzung für diese Erkenntnisse ist eine bewusste Beobachtung Ihrer selbst mit der Erkrankung im täglichen Leben. So können Sie herausfinden, was zu Ihrem Wohlgefühl beiträgt und wie Sie mit der Erkrankung leben können. Bei körperlichen Erkrankungen wie Krebs betrifft die Selbstbeobachtung natürlich das Körpergefühl in besonderem Maße.

 

Ihren Körper neu kennenlernen

Eine Krebserkrankung kann Unsicherheit mit dem eigenen Körpergefühl schaffen. [2] Ihr Körper kann durch eine Operation oder die Erkrankung selbst verändert und seine Funktionen können anders sein, als vor der Erkrankung. Durch die Veränderung kennt man sich erst mal nicht mehr aus. Vielleicht ist Ihr Körper weniger belastbar, aber Sie trauen sich noch nicht, Ihre neuen persönlichen Grenzen zu erforschen. Im Verlauf einer Krebserkrankung wechseln sich auch bessere und schlechtere Phasen ab.

Selbstbeobachtung kann Ihnen helfen, Ihren veränderten Körper neu kennenzulernen. Die Beobachtung ist effektiv, wenn Sie sie kontinuierlich und systematisch machen. Führen Sie ein Tagebuch oder eine Art Protokoll. Denn regelmäßige Notizen regen dazu an, sich selbst genauer wahrzunehmen und ein besseres Körpergefühl zu entwickeln. Über die Zeit sammeln Sie dadurch wertvolle Erfahrungen und Erkenntnisse für eine bessere Lebensqualität. Ein wesentlicher Punkt der Selbstbeobachtung ist auch, dass Sie eventuell gesundheitliche Veränderungen feststellen können, die eine Abklärung mit dem Arzt erforderlich machen.

Legen Sie den Fokus nicht auf das, was nicht mehr geht, sondern auf das, was geht. Bemerken Sie nicht, dass wenig Bewegung möglich ist, sondern wieviel möglich ist. So kann Ihnen letztlich die Selbstbeobachtung auch dabei helfen, neuen Mut zu schöpfen. Denn häufig erleben Patienten, dass sie leistungsfähiger sind, als sie vielleicht gedacht haben. Oder dass der Körper leistungsfähiger wird. Das stärkt das Selbstvertrauen.

 

Tagebuch der Lebensqualität

Für das Tagebuch/Protokoll sind keine langen Aufsätze erforderlich, oft genügen wenige Stichworte. Die folgenden Hinweise erläutern, worauf es ankommt, damit Sie möglichst viel von von Ihren Aufzeichnungen haben. [3]

  • Betrachten Sie möglichst immerdieselben Fragestellungen, um Entwicklungen und Veränderungen feststellen zu können
  • Notieren Sie Ihre Beobachtungen regelmäßig
  • Notieren Sie z. B. was Sie gegessen haben oder welche körperliche Betätigung Sie betrieben haben
  • Beobachten Sie, welche weiteren Folgen die Mahlzeit/die Bewegung hatte, wie es z. B. Ihren Schlaf, Ihren Appetit, Ihre Sorgen und Ängste, Ihre Unternehmungslust oder Ihre Kontaktfähigkeit beeinflusst
  • Notieren Sie insbesondere alle neuen Erfahrungen, z.B. welche Tätigkeit Sie (wieder) machen konnten, die zuvor nicht möglich war
  • Wählen Sie eine Form, die Ihnen liegt. Manche bevorzugen ein klassisches Tagebuch, andere Excel-Tabellen oder sogar Smartphones

Um es einfach zu halten, können Sie eine Liste mit Punkten anlegen, die Sie nur noch mit Stichworten ausfüllen müssen (Beispiel siehe Abb. 1). Notieren Sie stichpunktartig, wie es Ihnen ging und ergänzen Sie einen passenden Smiley dafür. Falls Fragen aufkommen, die Sie Ihrem Arzt stellen möchten, schreiben Sie diese ebenfalls auf.

Download Tagebuch der Lebensqualität

Abb. 1 Beispiel, wie das Tagebuch der Lebensqualität benutzt werden kann. Wichtig ist, festzuhalten, was genau an der jeweiligen Situation gut war. Das lenkt den Blick mehr auf die positiven Seiten.

 

Für jeden Patienten andere Punkte wichtig

Welche Aspekte Sie betrachten und beobachten, ist ganz von Ihrer persönlichen Situation abhängig. Hier einige Beispiele:

• Wenn Sie z. B. einen Krebs des Verdauungstraktes haben, werden Sie sich mehr mit der Ernährung beschäftigen. Sie könnten z. B. beobachten, welche Lebensmittel oder welche Zubereitung sie besser oder schlechter vertragen. Notieren Sie, was Sie zu den Mahlzeiten essen und was Sie sonst noch beobachten, z. B. „Ich fühlte mich danach träge/fit, ich hatte Schmerzen (wo?) etc."

• Patienten, die gerade eine anstrengende Therapie durchlaufen, legen ihren Fokus möglicherweise mehr auf die körperliche Leistungsfähigkeit bzw. Müdigkeit. Fragestellungen könnten hier sein, welche Hobbies willkommene Ablenkung bringen, ob ein regelmäßiger Mittagsschlaf gut tut oder noch schlapp macht oder ob sogar eine psychologische Begleitung helfen kann.

• Betroffene, die körperlich stark eingeschränkt sind, werden eventuell auf Dinge achten wie: Hatte ich heute Schmerzen, wenn ja, wie stark? Freunde und Familie: Was hat mir bei dem Gespräch mit einem Bekannten heute gut getan? Welche täglichen Aufgaben konnte ich heute erfüllen und wie ging es mir dabei?

 

Gute Gedanken auf Vorrat

Bei einem Leben mit Krebs erleben viele Patienten, dass das Leben intensiver wird, dass grundlegende Dinge wichtiger werden, wie z. B. sich selbst versorgen zu können. Nehmen Sie deshalb auch „die kleine Dinge" wahr: positive Gefühle, schöne Erlebnisse oder kleine Erfolge, und notieren Sie sich diese in Ihrem Tagebuch. Das können auch scheinbar banale Dinge sein wie ein schöner Sonnenaufgang, ein leckeres Essen oder ein gutes Gespräch mit einem Freund. Wenn Sie nach einiger Zeit auf diese Sammlung guter Erlebnisse zurückschauen und durch Ihr Tagebuch blättern, schärfen diese kleinen Lichtblicke den Blick dafür, dass trotz der Erkrankung jeder Tag etwas Gutes beinhalten kann.

 

Nutzen Sie das Protokoll zusätzlich, um sich an die Einnahme von Medikamenten zu erinnern!

Viele Krebspatienten müssen täglich Medikamente einnehmen. Ergänzen Sie Ihr tägliches Protokoll daher auch um eine Zeile „Medikament eingenommen". Das Ziel sollte eine vollständig ausgefüllte Zeile sein.

 

Quellen:
[1] http://www.krebsinformation.de/leben/krankheitsverarbeitung/lebensqualitaet.php (zuletzt besucht am 30.11.2017)
[2] https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/leben-mit-krebs/alltag-mit-krebs/mit-der-krankheit-leben-lernen/articles/onko-internetportal-basis-informationen-krebs-leben-mit-krebs-alltag-mit-krebs-mit-der-krankheit-leben-lernen.html (zuletzt besucht am 30.11.2017)
[3] http://www.dr-mueck.de/HM_Denkhilfen/HM_Therapietagebuch.htm (zuletzt besucht am 30.11.2017)

Erstellt am: 14.02.12
Autor: Cornelia Dietz
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